Übersetzung Original
1.1 Meister Sun sprach: Der Krieg ist die große Sache des Staates — der Boden von Tod und Leben, der Weg von Bestand und Untergang. Er darf nicht ungeprüft bleiben.
孫子曰:兵者,國之大事,死生之地,存亡之道,不可不察也。
1.2 So ermesse man ihn nach fünf Größen, wäge ihn durch Berechnung und ergründe so seine wahre Lage. Die erste heißt moralischer Einfluss; die zweite Himmel; die dritte Boden; die vierte der Feldherr; die fünfte Methode.
故經之以五事,校之以計,而索其情:一曰道,二曰天,三曰地,四曰將,五曰法。
1.3 Moralischer Einfluss ist, was das Volk mit seinem Herrscher einig macht, sodass es mit ihm sterben kann und mit ihm leben und die Gefahr nicht fürchtet. Himmel ist Dunkel und Licht, Kälte und Hitze, die Ordnung der Jahreszeiten. Boden ist fern und nah, schroff und eben, weit und eng, Tod und Leben. Der Feldherr ist Weisheit, Verlässlichkeit, Menschlichkeit, Mut, Strenge. Methode ist die Gliederung des Heeres, die Ordnung seiner Offiziere, die Verwaltung seines Nachschubs. Von diesen fünf hat jeder Feldherr gehört. Wer sie kennt, siegt; wer sie nicht kennt, siegt nicht.
道者,令民與上同意,可與之死,可與之生,而不畏危也;天者,陰陽、寒暑、時制也;地者,遠近、險易、廣狹、死生也;將者,智、信、仁、勇、嚴也;法者,曲制、官道、主用也。凡此五者,將莫不聞,知之者勝,不知者不勝。
1.4 So wäge man durch Berechnung und ergründe die wahre Lage. Man frage: Welcher Herrscher hat den moralischen Einfluss? Welcher Feldherr hat die Fähigkeit? Wer hat Himmel und Boden auf seiner Seite? Wessen Gesetze und Befehle werden vollzogen? Wessen Truppen sind die stärkeren? Wessen Offiziere und Soldaten sind die geübteren? Wessen Belohnungen und Strafen sind die klareren? Daran erkenne ich, wer siegt und wer unterliegt.
故校之以計,而索其情,曰:主孰有道?將孰有能?天地孰得?法令孰行?兵眾孰強?士卒孰練?賞罰孰明?吾以此知勝負矣。
1.5 Der Feldherr, der auf meine Berechnung hört, wird, setzt man ihn ein, gewiss siegen: Man behalte ihn. Der Feldherr, der nicht auf meine Berechnung hört, wird, setzt man ihn ein, gewiss unterliegen: Man entlasse ihn.
將聽吾計,用之必勝,留之;將不聽吾計,用之必敗,去之。
1.6 Ist die Rechnung des Vorteils gehört, so mache man daraus den strategischen Vorteil, dem Heer im Felde zur Hilfe. Strategischer Vorteil heißt: nach dem Gewinn in der Hand das Zweckmäßige lenken.
計利以聽,乃為之勢,以佐其外。勢者,因利而制權也。
1.7 Aller Krieg beruht auf Täuschung. Ist man fähig, so zeige man ihm Unvermögen; rückt man aus, so zeige man ihm Untätigkeit; ist man nah, so zeige man ihm Ferne; ist man fern, so zeige man ihm Nähe. Man locke ihn mit Gewinn und nehme ihn in der Verwirrung. Wo er voll ist, rüste man sich gegen ihn; wo er stark ist, weiche man ihm aus. Man reize seinen Zorn und zermürbe ihn; man gebe sich gering und nähre seinen Hochmut. Wo er frisch ist, ermüde man ihn; wo seine Bande eng sind, trenne man ihn. Man greife an, wo er ungerüstet ist; man breche hervor, wo er es nicht erwartet. So siegen die Meister des Krieges, und es lässt sich nicht im Voraus überliefern.
兵者,詭道也。故能而示之不能,用而示之不用,近而示之遠,遠而示之近。利而誘之,亂而取之,實而備之,強而避之,怒而撓之,卑而驕之,佚而勞之,親而離之,攻其無備,出其不意。此兵家之勝,不可先傳也。
1.8 Wer vor der Schlacht in der Tempelrechnung siegt, dem sind viele Zählstäbe zugefallen; wer vor der Schlacht in der Tempelrechnung nicht siegt, dem sind wenige zugefallen. Viele Stäbe siegen, wenige Stäbe unterliegen — wie erst gar keine! So betrachte ich es, und Sieg und Niederlage liegen offen.
夫未戰而廟算勝者,得算多也;未戰而廟算不勝者,得算少也。多算勝,少算不勝,而況無算乎!吾以此觀之,勝負見矣。
2.1 Meister Sun sprach: Die Regel im Gebrauch der Waffen: tausend Gespanne schneller Streitwagen, tausend lederbewehrte Wagen, hunderttausend Gepanzerte, und Getreide, tausend Li weit herangeführt. Dann belaufen sich die Ausgaben drinnen und draußen, der Aufwand für die Gesandten, der Bedarf an Leim und Lack, die Unterhaltung von Wagen und Rüstung auf tausend Goldstücke am Tag — und erst dann lässt sich ein Heer von hunderttausend Mann aufstellen.
孫子曰:凡用兵之法,馳車千駟,革車千乘,帶甲十萬,千里饋糧。則內外之費,賓客之用,膠漆之材,車甲之奉,日費千金,然後十萬之師舉矣。
2.2 Im Kampf gilt: Der Sieg hat den Vorrang. Zieht es sich hin, so stumpfen die Waffen und die Schneide bricht; bestürmt man Städte, so erschöpft sich die Kraft; steht das Heer lange im Feld, so reichen die Mittel des Staates nicht aus. Sind aber die Waffen stumpf, die Schneide gebrochen, die Kraft erschöpft und die Vorräte verzehrt, so erheben sich die Fürsten auf diese Blöße hin — und dann kann auch der Weiseste nicht mehr zum Guten wenden, was folgt. So hört man im Krieg wohl von plumper Eile; Geschick im Hinauszögern hat noch niemand gesehen. Dass ein langer Krieg je einem Staat genützt hätte, ist nie geschehen. Wer also den Schaden des Waffengebrauchs nicht ganz kennt, kann auch den Gewinn des Waffengebrauchs nicht ganz kennen.
其用戰也,貴勝,久則鈍兵挫銳,攻城則力屈,久暴師則國用不足。夫鈍兵挫銳,屈力殫貨,則諸侯乘其弊而起,雖有智者,不能善其後矣。故兵聞拙速,未睹巧之久也。夫兵久而國利者,未之有也。故不盡知用兵之害者,則不能盡知用兵之利也。
2.3 Wer die Waffen gut gebraucht, hebt nicht zum zweiten Mal aus und fährt nicht zum dritten Mal Getreide heran. Das Gerät nimmt er vom eigenen Staat, das Getreide vom Feind; so kann die Verpflegung des Heeres genügen. Was einen Staat durch sein Heer verarmen lässt, ist das Verfrachten in die Ferne: Wer in die Ferne verfrachtet, macht die hundert Geschlechter arm. Nahe beim Heer steigen die Preise; steigen die Preise, so erschöpft sich der Besitz des Volkes; ist der Besitz erschöpft, drücken hart die Dorfabgaben. Die Kraft gebrochen, das Vermögen verblutet, die Häuser der mittleren Ebene leer: Vom Gut des Volkes sind sieben Zehntel dahin; vom Gut des öffentlichen Hauses — zerbrochene Wagen und müde Pferde, Panzer und Helme, Pfeile und Armbrüste, Hellebarden und Schilde, Spieße und Sturmdächer, Zugochsen und schwere Wagen — sechs Zehntel.
善用兵者,役不再籍,糧不三載,取用於國,因糧於敵,故軍食可足也。國之貧於師者遠輸,遠輸則百姓貧;近於師者貴賣,貴賣則百姓竭,財竭則急於丘役。力屈財殫,中原內虛於家,百姓之費,十去其七;公家之費,破軍罷馬,甲胄矢弩,戟楯矛櫓,丘牛大車,十去其六。
2.4 So macht der kluge Feldherr es sich zur Aufgabe, sich vom Feind zu nähren. Ein Maß feindlichen Getreides gilt zwanzig der unsrigen; ein Pikul seiner Futterhalme zwanzig der unsrigen. Was den Feind tötet, ist der Zorn; was des Feindes Gut einbringt, ist die Belohnung. Darum, wer im Wagenkampf zehn Wagen oder mehr nimmt: Man belohne den, der den ersten nahm, wechsle ihre Fahnen und Standarten aus, mische die Wagen unter die eigenen und bemanne sie; die gefangenen Soldaten behandle man gut und behalte sie. Das heißt: den Feind besiegen und stärker daraus hervorgehen.
故智將務食於敵,食敵一鍾,當吾二十鍾;萁稈一石,當吾二十石。故殺敵者,怒也;取敵之利者,貨也。故車戰,得車十乘以上,賞其先得者,而更其旌旗。車雜而乘之,卒善而養之,是謂勝敵而益強。
2.5 So gilt im Krieg der Sieg, nicht die Dauer. Der Feldherr, der den Krieg kennt, ist darum Herr über das Schicksal des Volkes, Gebieter über Sicherheit und Gefahr des Staates.
故兵貴勝,不貴久。故知兵之將,民之司命。國家安危之主也。
3.1 Meister Sun sprach: Die Regel im Gebrauch der Waffen: Den Staat des Feindes unversehrt zu nehmen ist das Beste; ihn zu zerschlagen das Zweite. Sein Heer unversehrt zu nehmen ist das Beste; es zu zerschlagen das Zweite. Ein Regiment unversehrt zu nehmen ist das Beste; es zu zerschlagen das Zweite. Eine Kompanie unversehrt zu nehmen ist das Beste; sie zu zerschlagen das Zweite. Eine Rotte von fünf unversehrt zu nehmen ist das Beste; sie zu zerschlagen das Zweite. Darum: Hundert Schlachten schlagen und hundert Siege gewinnen ist nicht das Beste vom Besten; die Truppen des Feindes ohne Schlacht beugen ist das Beste vom Besten.
孫子曰:凡用兵之法,全國為上,破國次之;全軍為上,破軍次之;全旅為上,破旅次之;全卒為上,破卒次之;全伍為上,破伍次之。是故百戰百勝,非善之善者也;不戰而屈人之兵,善之善者也。
3.2 So gilt: Der höchste Krieg greift die Pläne an; der nächste die Bündnisse; der nächste die Truppen; der unterste bestürmt Städte. Städte bestürme man nur, wenn nichts anderes bleibt. Die Sturmdächer und die gepanzerten Wagen instand zu setzen, Gerät und Zeug bereitzustellen, braucht drei Monate und mehr; die Belagerungswälle aufzuschütten noch einmal drei. Der Feldherr, der seinen Grimm nicht bezwingt und seine Leute wie Ameisen die Mauer hinaufschickt, tötet ein Drittel seiner Soldaten, und die Stadt fällt nicht. Das ist das Unheil des Sturmangriffs.
故上兵伐謀,其次伐交,其次伐兵,其下攻城。攻城之法,為不得已。修櫓轒轀,具器械,三月而後成;距闉,又三月而後已。將不勝其忿,而蟻附之,殺士三分之一,而城不拔者,此攻之災也。
3.3 So beugt, wer die Waffen gut gebraucht, die Truppen des Feindes, doch nicht durch die Schlacht; nimmt die Städte des Feindes, doch nicht durch den Sturm; zerbricht den Staat des Feindes, doch nicht durch langen Krieg. Mit allem unversehrt muss er um alles unter dem Himmel streiten; so stumpfen die Waffen nicht, und der Gewinn kann ganz bleiben. Das ist die Methode des Angriffs mit List.
故善用兵者,屈人之兵,而非戰也,拔人之城而非攻也,毀人之國而非久也,必以全爭於天下,故兵不頓而利可全,此謀攻之法也。
3.4 So lautet die Regel für den Gebrauch der Truppen: Mit zehn gegen eins umzingle man ihn; mit fünf greife man ihn an; mit dem Doppelten teile man ihn; bei gleicher Stärke vermöge man ihn zu schlagen; mit weniger vermöge man ihm zu entkommen; unterlegen vermöge man ihm auszuweichen. Denn eine kleine Streitmacht, die standhält, wird der großen zur Beute.
故用兵之法,十則圍之,五則攻之,倍則分之,敵則能戰之,少則能逃之,不若則能避之。故小敵之堅,大敵之擒也。
3.5 Der Feldherr ist die Strebe des Staates. Sitzt die Strebe dicht, so muss der Staat stark sein; klafft die Strebe, so muss der Staat schwach sein. Drei Arten gibt es, auf die ein Herrscher Unglück über sein Heer bringt. Nicht zu wissen, dass das Heer nicht vorrücken kann, und ihm den Vormarsch zu befehlen; nicht zu wissen, dass das Heer nicht zurückweichen kann, und ihm den Rückzug zu befehlen — das heißt das Heer fesseln. Die Geschäfte der drei Heere nicht zu kennen und doch ihre Verwaltung zu teilen — dann sind die Soldaten verwirrt. Die Befugnisse der drei Heere nicht zu kennen und doch ihre Befehle zu teilen — dann zweifeln die Soldaten. Sind die drei Heere aber verwirrt und voller Zweifel, dann ist das Unglück durch die Fürsten da. Das heißt: das eigene Heer zerrütten und den Sieg verschenken.
夫將者,國之輔也。輔周則國必強,輔隙則國必弱。故君之所以患於軍者三:不知軍之不可以進而謂之進,不知軍之不可以退而謂之退,是謂縻軍;不知三軍之事,而同三軍之政,則軍士惑矣;不知三軍之權,而同三軍之任,則軍士疑矣。三軍既惑且疑,則諸侯之難至矣。是謂亂軍引勝。
3.6 Fünf Arten gibt es, den Sieg zu erkennen. Wer weiß, wann er kämpfen kann und wann nicht, siegt. Wer den Gebrauch von vielen und wenigen versteht, siegt. Wer oben und unten dasselbe will, siegt. Wer vorbereitet den Unvorbereiteten erwartet, siegt. Wessen Feldherr fähig ist und wessen Herrscher nicht hineinregiert, der siegt. Diese fünf sind der Weg, den Sieg zu erkennen.
故知勝有五:知可以戰與不可以戰者,勝。識眾寡之用者,勝。上下同欲者,勝。以虞待不虞者,勝。將能而君不御者,勝。此五者,知勝之道也。
3.7 So heißt es: Wer den anderen kennt und sich selbst kennt, ist in hundert Schlachten nie in Gefahr. Wer sich selbst kennt und den anderen nicht, gewinnt eine und verliert eine. Wer weder den anderen kennt noch sich selbst, dem ist jede Schlacht gewisse Niederlage.
故曰:知己知彼,百戰不貽;不知彼而知己,一勝一負;不知彼不知己,每戰必敗。
4.1 Meister Sun sprach: Die guten Krieger der Alten machten erst sich selbst unbesiegbar und warteten dann darauf, dass der Feind besiegbar würde. Unbesiegbar zu sein liegt bei einem selbst; besiegbar zu sein liegt beim Feind. So kann der gute Krieger sich unbesiegbar machen; er kann nicht machen, dass der Feind gewiss besiegt wird. Darum heißt es: Der Sieg lässt sich erkennen, doch nicht machen.
孫子曰:昔之善戰者,先為不可勝,以待敵之可勝。不可勝在己,可勝在敵。故善戰者,能為不可勝,不能使敵必可勝。故曰:勝可知,而不可為。
4.2 Unbesiegbarkeit ist Verteidigung; Besiegbarkeit ist Angriff. Wer verteidigt, dem fehlt es; wer angreift, der hat Überfluss. Wer gut verteidigt, birgt sich unter den neun Böden; wer gut angreift, bewegt sich über den neun Himmeln. So kann er sich selbst bewahren und den Sieg ganz erhalten.
不可勝者,守也;可勝者,攻也。守則不足,攻則有餘。善守者,藏於九地之下,善攻者,動於九天之上,故能自保而全勝也。
4.3 Den Sieg nicht weiter zu sehen, als die Menge ihn sieht, ist nicht das Beste vom Besten; in der Schlacht zu siegen, sodass alles unter dem Himmel „wohlgetan“ ruft, ist nicht das Beste vom Besten. Ein Herbsthärchen zu heben gilt nicht als große Kraft; Sonne und Mond zu sehen gilt nicht als scharfes Auge; den Donnerschlag zu hören gilt nicht als feines Ohr. Die die Alten gute Krieger nannten, siegten, wo das Siegen leicht war. So tragen die Siege des guten Kriegers keinen Namen für Weisheit und keinen Ruhm für Tapferkeit — denn seine Siege in der Schlacht sind ohne Fehlgriff. Ohne Fehlgriff: Was er anfasst, muss siegen, denn er besiegt einen schon Besiegten. So steht der gute Krieger auf einem Boden, auf dem er nicht unterliegen kann, und lässt sich die Niederlage des Feindes nicht entgehen. Darum siegt ein siegreiches Heer zuerst und sucht dann die Schlacht; ein geschlagenes Heer schlägt sich zuerst und sucht dann den Sieg. Wer die Waffen gut gebraucht, pflegt den Weg und wahrt die Methode; so hat er die Entscheidung über Sieg und Niederlage in der Hand.
見勝不過眾人之所知,非善之善者也;戰勝而天下曰善,非善之善者也。故舉秋毫不為多力,見日月不為明目,聞雷霆不為聰耳。古之善戰者,勝於易勝者也。故善戰者之勝也,無智名,無勇功,故其戰勝不忒。不忒者,其所措必勝,勝已敗者也。故善戰者,先立於不敗之地,而不失敵之敗也。是故勝兵先勝,而後求戰,敗兵先戰而後求勝。善用兵者,修道而保法,故能為勝敗之政。
4.4 Die Methode des Krieges: erstens Messung, zweitens Menge, drittens Zahl, viertens Wägung, fünftens Sieg. Der Boden gebiert die Messung, die Messung die Menge, die Menge die Zahl, die Zahl die Wägung, die Wägung den Sieg. So ist ein siegreiches Heer ein Zentner, gewogen gegen ein Gran; ein geschlagenes Heer ein Gran, gewogen gegen einen Zentner. Der Sieger schickt sein Volk in die Schlacht wie gestautes Wasser, das in eine tausend Klafter tiefe Schlucht bricht. Das ist die Aufstellung.
兵法:一曰度,二曰量,三曰數,四曰稱,五曰勝。地生度,度生量,量生數,數生稱,稱生勝。故勝兵若以鎰稱銖,敗兵若以銖稱鎰。勝者之戰,若決積水於千仞之谿者,形也。
5.1 Meister Sun sprach: Viele zu ordnen ist wie wenige zu ordnen: Es ist Gliederung und Zahl. Mit vielen zu kämpfen ist wie mit wenigen zu kämpfen: Es sind Formen und Zeichen. Dass die Masse der drei Heere den ganzen Anprall des Feindes empfangen kann und nicht unterliegt — das sind das Reguläre und das Außerordentliche. Dass das Heer, wo immer es zuschlägt, wie ein Wetzstein auf ein Ei trifft — das sind Leere und Fülle.
孫子曰:凡治眾如治寡,分數是也;鬥眾如鬥寡,形名是也;三軍之眾,可使必受敵而無敗者,奇正是也;兵之所加,如以碫投卵者,虛實是也。
5.2 In jedem Kampf gilt: Man bindet mit dem Regulären und siegt durch das Außerordentliche. Wer das Außerordentliche gut hervorzubringen weiß, ist darum unerschöpflich wie Himmel und Erde, unversiegbar wie
der Yangtze und das Meer. Zu enden und wieder zu beginnen — das sind Sonne und Mond. Zu sterben und wieder geboren zu werden — das sind die vier Jahreszeiten. Der Töne sind nicht mehr als fünf, doch die Wandlungen der fünf Töne kann keiner je zu Ende hören; der Farben sind nicht mehr als fünf, doch die Wandlungen der fünf Farben kann keiner je zu Ende sehen; der Geschmäcke sind nicht mehr als fünf, doch die Wandlungen der fünf Geschmäcke kann keiner je zu Ende kosten. Die Lagen der Schlacht sind nicht mehr als das Reguläre und das Außerordentliche, doch die Wandlungen von Regulärem und Außerordentlichem kann keiner je erschöpfen. Das Reguläre und das Außerordentliche gebären einander, ein Ring, der sich ohne Ende dreht — wer könnte sie erschöpfen?
凡戰者,以正合,以奇勝。故善出奇者,無窮如天地,不竭如江海。終而複始,日月是也。死而復生,四時是也。聲不過五,五聲之變,不可勝聽也;色不過五,五色之變,不可勝觀也;味不過五,五味之變,不可勝嘗也;戰勢,不過奇正,奇正之變,不可勝窮也。奇正相生,如循環之無端,熟能窮之哉?
5.3 Dass reißendes Wasser in seiner Schnelle Felsblöcke treibt — das ist die Wucht. Dass der Raubvogel in seiner Schnelle den Leib seiner Beute bricht — das ist das Zeitmaß. Darum: Beim guten Krieger ist die Wucht steil und das Zeitmaß knapp. Die Wucht wie die gespannte Armbrust; das Zeitmaß wie der gelöste Abzug.
激水之疾,至於漂石者,勢也;鷙鳥之疾,至於毀折者,節也。是故善戰者,其勢險,其節短。勢如張弩,節如發機。
5.4 Wirrwarr und Getümmel: Der Kampf ist ungeordnet, und doch lassen sie sich nicht in Unordnung bringen. Trübung und Dunst: Die Aufstellung ist rund, und doch lässt sie sich nicht schlagen. Unordnung wird aus Ordnung geboren, Feigheit aus Mut, Schwäche aus Stärke. Ordnung und Unordnung sind Sache der Zahl; Mut und Feigheit Sache der Wucht; Stärke und Schwäche Sache der Aufstellung. Wer den Feind gut bewegt, zeigt darum eine Form, und der Feind muss ihr folgen; bietet etwas dar, und der Feind muss es nehmen. Mit Gewinn setzt er ihn in Bewegung; mit den Truppen erwartet er ihn im Hinterhalt.
紛紛紜紜,鬥亂而不可亂也;渾渾沌沌,形圓而不可敗也。亂生於治,怯生於勇,弱生於強。治亂,數也;勇怯,勢也;強弱,形也。故善動敵者,形之,敵必從之;予之,敵必取之。以利動之,以卒待之。
5.5 So sucht der gute Krieger es im strategischen Vorteil und fordert es nicht von den Menschen; darum kann er die Männer wählen und das Übrige dem Vorteil anvertrauen. Wer es dem Vorteil anvertraut, schickt die Männer in die Schlacht, wie man Stämme und Steine rollt. Es ist die Natur von Stämmen und Steinen, auf ebenem Grund still zu liegen und auf steilem sich zu bewegen; eckig halten sie an, rund gehen sie. So ist die Wucht dessen, der Männer gut in die Schlacht schickt, wie wenn man runde Steine einen tausend Klafter hohen Berg hinabrollen lässt. Das ist der strategische Vorteil.
故善戰者,求之於勢,不責於人;故能擇人而任勢。任勢者,其戰人也,如轉木石。木石之性,安則靜,危則動,方則止,圓則行。故善戰人之勢,如轉圓石於千仞之山者,勢也。
6.1 Meister Sun sprach: Wer zuerst auf dem Schlachtfeld ist und den Feind erwartet, ist frisch; wer später auf das Schlachtfeld kommt und in den Kampf eilt, ist müde.
孫子曰:凡先處戰地而待敵者佚,後處戰地而趨戰者勞。
6.2 So bewegt der gute Krieger die anderen und wird nicht von ihnen bewegt. Dass der Feind von selbst kommt, macht der Gewinn, den man ihm zeigt; dass der Feind nicht kommen kann, macht der Schaden, den man ihm zeigt. So vermag man den frischen Feind zu ermüden, den satten auszuhungern, den ruhenden in Bewegung zu setzen. Man breche auf, wohin er eilen muss; man eile, wohin er es nicht erwartet. Wer tausend Li marschiert und nicht ermüdet, marschiert durch Land, in dem niemand ist. Wer angreift und gewiss nimmt, greift an, was er nicht verteidigt. Wer verteidigt und gewiss hält, verteidigt, was er nicht angreift.
故善戰者,致人而不致於人。能使敵人自至者,利之也;能使敵人不得至者,害之也。故敵佚能勞之,飽能饑之,安能動之。出其所必趨,趨其所不意。行千里而不勞者,行於無人之地也;攻而必取者,攻其所不守也。守而必固者,守其所不攻也。
6.3 So weiß der Feind gegen den guten Angreifer nicht, wo er verteidigen soll; gegen den guten Verteidiger nicht, wo er angreifen soll. Fein, fein — bis zur Formlosigkeit. Geisterhaft, geisterhaft — bis zur Lautlosigkeit. So kann er Herr über das Schicksal des Feindes sein. Wessen Vorrücken nicht aufzuhalten ist, der stößt in seine Leere; wessen Rückzug nicht zu verfolgen ist, der ist zu schnell, um eingeholt zu werden. Will ich also die Schlacht, so kann der Feind nicht anders, als mit mir zu schlagen, und wären seine Wälle hoch und seine Gräben tief — denn ich greife an, was er retten muss. Will ich die Schlacht nicht, so kann der Feind mich nicht zur Schlacht bringen, und hätte ich nur eine Linie auf den Boden gezogen und hielte sie — denn ich habe ihn von dort abgebracht, wohin er wollte.
故善攻者,敵不知其所守;善守者,敵不知其所攻。微乎微乎,至於無形;神乎神乎,至於無聲,故能為敵之司命。進而不可禦者,沖其虛也;退而不可追者,速而不可及也。故我欲戰,敵雖高壘深溝,不得不與我戰者,攻其所必救也;我不欲戰,雖畫地而守之,敵不得與我戰者,乖其所之也。
6.4 So gebe man dem anderen Form und bleibe selbst formlos: Dann bin ich gesammelt und der Feind geteilt. Gesammelt zu einem, der Feind geteilt in zehn, greife ich mit zehn sein eines an: Ich bin viele, der Feind ist wenige. Und wer mit vielen die wenigen schlagen kann — mit denen ich kämpfe, hat es leichte Mühe. Wo ich die Schlacht annehmen werde, darf nicht zu erkennen sein. Ist es nicht zu erkennen, so rüstet sich der Feind an vielen Orten; rüstet sich der Feind an vielen Orten, so sind es wenige, mit denen ich kämpfe. Rüstet er darum die Front, ist der Rücken dünn; rüstet er den Rücken, ist die Front dünn; rüstet er die Linke, ist die Rechte dünn; rüstet er die Rechte, ist die Linke dünn; rüstet er überall, ist er überall dünn. Wenige ist, wer sich gegen andere rüstet; viele, wer andere zwingt, sich gegen ihn zu rüsten.
故形人而我無形,則我專而敵分。我專為一,敵分為十,是以十攻其一也。則我眾敵寡,能以眾擊寡者,則吾之所與戰者約矣。吾所與戰之地不可知,不可知則敵所備者多,敵所備者多,則吾所與戰者寡矣。故備前則後寡,備後則前寡,備左則右寡,備右則左寡,無所不備,則無所不寡。寡者,備人者也;眾者,使人備己者也。
6.5 Wer also den Ort der Schlacht kennt und den Tag der Schlacht kennt, der mag tausend Li marschieren und die Schlacht annehmen. Wer aber weder den Ort der Schlacht kennt noch den Tag, dem kann die Linke die Rechte nicht retten und die Rechte nicht die Linke, die Front nicht den Rücken und der Rücken nicht die Front — wie erst auf einige Dutzend Li, ja auch nur auf wenige! Nach meiner Rechnung: Die Truppen von
Yue mögen viele sein — was hilft es ihnen zum Sieg? Darum heißt es: Der Sieg lässt sich machen. Mag der Feind auch zahlreich sein — man kann ihn am Kämpfen hindern. So prüfe man ihn und erkenne die Rechnung von Gewinn und Verlust; man rege ihn auf und erkenne das Gesetz seiner Bewegung und Ruhe; man zeige ihm eine Form und erkenne den Boden seines Todes und Lebens; man plänkle mit ihm und erkenne, wo er Überfluss hat und wo es ihm fehlt.
故知戰之地,知戰之日,則可千里而會戰;不知戰之地,不知戰日,則左不能救右,右不能救左,前不能救後,後不能救前,而況遠者數十裏,近者數裏乎!以吾度之,越人之兵雖多,亦奚益於勝哉!故曰:勝可為也。敵雖眾,可使無鬥。故策之而知得失之計,候之而知動靜之理,形之而知死生之地,角之而知有餘不足之處。
6.6 So ist das Äußerste im Aufstellen eines Heeres, zur Formlosigkeit zu gelangen. Formlos, kann auch der am tiefsten eingenistete Spion nichts erspähen und der Weiseste keinen Plan dagegen fassen. Aus den Formen heraus setze ich der Menge den Sieg vor Augen, und die Menge kann ihn nicht verstehen. Jeder kennt die Form, durch die ich siege; doch keiner kennt die Form, durch die ich den Sieg gefügt habe. Darum wiederholt sich ein Sieg in der Schlacht nicht: Er antwortet der Form, ohne Ende. Die Form des Heeres gleicht dem Wasser. Das Wasser meidet in seinem Lauf das Hohe und eilt dem Tiefen zu; das Heer meidet in seiner Form das Volle und schlägt das Leere. Das Wasser richtet seinen Lauf nach dem Boden; das Heer richtet seinen Sieg nach dem Feind. So hat das Heer keinen beständigen strategischen Vorteil, wie das Wasser keine beständige Form hat. Wer sich mit dem Feind zu wandeln und den Sieg zu nehmen vermag, der heißt göttlich.
故形兵之極,至於無形。無形則深間不能窺,智者不能謀。因形而措勝於眾,眾不能知。人皆知我所以勝之形,而莫知吾所以制勝之形。故其戰勝不復,而應形於無窮。夫兵形象水,水之行避高而趨下,兵之形避實而擊虛;水因地而制流,兵因敵而制勝。故兵無常勢,水無常形。能因敵變化而取勝者,謂之神。
6.7 So gibt es unter den fünf Elementen keines, das immer siegt, unter den vier Jahreszeiten keine, die ihren Platz behauptet; die Tage sind kurz und lang; der Mond stirbt und wird wieder geboren.
故五行無常勝,四時無常位,日有短長,月有死生。
7.1 Meister Sun sprach: Die Regel im Gebrauch der Waffen: Der Feldherr empfängt den Befehl vom Herrscher, sammelt das Heer und zieht die Masse zusammen und lagert dem Feind gegenüber — und nichts ist schwerer als der Kampf der Heere. Das Schwere am Kampf der Heere ist, den krummen Weg zum geraden zu machen und die Not zum Gewinn zu wenden. So mache man seinen Weg krumm und locke den Feind mit Gewinn: nach ihm aufgebrochen, vor ihm angekommen — das heißt die Rechnung des Krummen und des Geraden verstehen. Der Kampf der Heere ist Gewinn, und der Kampf der Heere ist Gefahr. Streitet man mit dem ganzen Heer um den Gewinn, so kommt man nicht rechtzeitig an; wirft man das Heer ab, um nach dem Gewinn zu greifen, so ist der Tross verloren. Rollt man darum die Panzer zusammen und eilt, rastet weder Tag noch Nacht, marschiert in doppelten Etappen den doppelten Weg und streitet auf hundert Li um den Gewinn, so werden alle drei Feldherren gefangen: Die Starken voran, die Erschöpften hinterher — nach dieser Regel kommt ein Zehntel an. Streitet man auf fünfzig Li um den Gewinn, so stürzt der Feldherr des Vortrabs — nach dieser Regel kommt die Hälfte an. Streitet man auf dreißig Li um den Gewinn, so kommen zwei Drittel an.
孫子曰:凡用兵之法,將受命於君,合軍聚眾,交和而舍,莫難於軍爭。軍爭之難者,以迂為直,以患為利。故迂其途,而誘之以利,後人發,先人至,此知迂直之計者也。軍爭為利,軍爭為危。舉軍而爭利則不及,委軍而爭利則輜重捐。是故捲甲而趨,日夜不處,倍道兼行,百裡而爭利,則擒三將軍,勁者先,疲者後,其法十一而至;五十裏而爭利,則蹶上將軍,其法半至;三十裏而爭利,則三分之二至。
7.2 Und so: Ein Heer ohne seinen Tross ist verloren; ohne Getreide verloren; ohne aufgespeicherte Vorräte verloren. Wer die Pläne der Fürsten nicht kennt, kann nicht im Voraus Bündnisse schließen; wer die Gestalt der Berge und Wälder, der Engpässe und Schluchten, der Moore und Sümpfe nicht kennt, kann kein Heer marschieren lassen; wer keine ortskundigen Führer nimmt, kann den Vorteil des Bodens nicht gewinnen. So steht der Krieg auf der Täuschung, bewegt sich um des Gewinnes willen und wandelt sich durch Teilen und Vereinen. Darum: schnell wie der Wind; langsam wie der Wald; er fällt ein und verzehrt wie das Feuer; unbewegt wie der Berg; unergründlich wie das Dunkel; er fährt nieder wie der Donnerschlag. Plündert er das Land, so teilt er die Leute; weitet er das Gebiet, so teilt er den Gewinn. Er wägt die Sache in der Waage, und dann bewegt er sich. Wer die Rechnung des Krummen und des Geraden zuerst versteht, siegt. Das ist die Regel für den Kampf der Heere.
是故軍無輜重則亡,無糧食則亡,無委積則亡。故不知諸侯之謀者,不能豫交;不知山林、險阻、沮澤之形者,不能行軍;不用鄉導者,不能得地利。故兵以詐立,以利動,以分和為變者也。故其疾如風,其徐如林,侵掠如火,不動如山,難知如陰,動如雷震。掠鄉分眾,廓地分利,懸權而動。先知迂直之計者勝,此軍爭之法也。
7.3 Im
Buch der Heeresverwaltung heißt es: „Worte tragen nicht zueinander, darum macht man Gongs und Trommeln; Augen sehen einander nicht, darum macht man Banner und Fahnen.“ Gongs und Trommeln, Banner und Fahnen sind das, womit man Ohren und Augen der Masse eins macht. Ist die Masse erst eins, so kann der Tapfere nicht allein vorgehen und der Feige nicht allein zurückweichen: Das ist die Regel für den Gebrauch der Menge. Im Nachtkampf mache man darum viel von Gongs und Trommeln, im Tagkampf viel von Bannern und Fahnen: So antwortet man den wechselnden Ohren und Augen der Menschen. Den drei Heeren kann man den Geist rauben, dem Feldherrn das Herz. Darum: Der Geist des Morgens ist scharf; der Geist des Mittags erschlafft; der Geist des Abends kehrt heim.
《
軍政》曰:“言不相聞,故為之金鼓;視不相見,故為之旌旗。”夫金鼓旌旗者,所以一民之耳目也。民既專一,則勇者不得獨進,怯者不得獨退,此用眾之法也。故夜戰多金鼓,晝戰多旌旗,所以變人之耳目也。三軍可奪氣,將軍可奪心。是故朝氣銳,晝氣惰,暮氣歸。
7.4 Wer die Waffen gut gebraucht, meidet den scharfen Geist und schlägt den erschlafften und den heimkehrenden: Das heißt den Geist regieren. Mit Ordnung erwartet er die Unordnung, mit Stille den Lärm: Das heißt das Herz regieren. Mit Nähe erwartet er die weit Gekommenen, mit Frische die Müden, mit Sattheit die Hungernden: Das heißt die Kraft regieren. Er fängt keine Banner in vollkommener Ordnung ab und schlägt keine Schlachtreihe in ihrer Majestät: Das heißt den Wandel regieren. So lautet die Regel im Gebrauch der Waffen: Steht er auf hohem Hügel, gehe man nicht gegen ihn an; hat er den Hang im Rücken, stelle man sich ihm nicht entgegen; einer gespielten Flucht folge man nicht; scharfe Truppen greife man nicht an; Ködertruppen schlucke man nicht; einem heimkehrenden Heer verlege man den Weg nicht; umzingelt man ein Heer, so lasse man eine Lücke; einen Feind in der Enge dränge man nicht. Das ist die Regel im Gebrauch der Waffen.
善用兵者,避其銳氣,擊其惰歸,此治氣者也。以治待亂,以靜待嘩,此治心者也。以近待遠,以佚待勞,以飽待饑,此治力者也。無邀正正之旗,無擊堂堂之陳,此治變者也。故用兵之法,高陵勿向,背丘勿逆,佯北勿從,銳卒勿攻,餌兵勿食,歸師勿遏,圍師遺闕,窮寇勿迫,此用兵之法也。
8.1 Meister Sun sprach: Die Regel im Gebrauch der Waffen: Der Feldherr empfängt den Befehl vom Herrscher, sammelt das Heer und zieht die Masse zusammen. Auf unwegsamem Boden lagere man nicht; auf Kreuzwegboden schließe man die Bündnisse; auf abgeschnittenem Boden verweile man nicht; auf umschlossenem Boden ersinne man Pläne; auf tödlichem Boden kämpfe man. Es gibt Wege, die man nicht nimmt; Heere, die man nicht schlägt; Städte, die man nicht angreift; Boden, um den man nicht streitet; Befehle des Herrschers, die man nicht annimmt. Der Feldherr, der die Vorteile der neun Wandlungen ganz durchdringt, weiß die Waffen zu gebrauchen. Der Feldherr, der die Vorteile der neun Wandlungen nicht durchdringt, kann den Vorteil des Bodens nicht gewinnen, auch wenn er die Gestalt des Geländes kennt. Wer Truppen führt und die Künste der neun Wandlungen nicht kennt, kann den vollen Dienst seiner Leute nicht gewinnen, auch wenn er die fünf Vorteile kennt.
孫子曰:凡用兵之法,將受命於君,合軍聚合。泛地無舍,衢地合交,絕地無留,圍地則謀,死地則戰,途有所不由,軍有所不擊,城有所不攻,地有所不爭,君命有所不受。故將通於九變之利者,知用兵矣;將不通九變之利,雖知地形,不能得地之利矣;治兵不知九變之術,雖知五利,不能得人之用矣。
8.2 Darum mischt der Weise in seine Überlegung stets Gewinn und Schaden. In den Gewinn gemischt, lässt sich die Aufgabe verlässlich vollenden; in den Schaden gemischt, lässt sich die Not lösen. Darum beugt man die Fürsten durch Schaden, spannt die Fürsten ein durch Unternehmungen und setzt die Fürsten in Lauf durch Gewinn. So lautet die Regel im Gebrauch der Waffen: Man verlasse sich nicht darauf, dass er nicht kommt; man verlasse sich darauf, dass man ihn zu empfangen weiß. Man verlasse sich nicht darauf, dass er nicht angreift; man verlasse sich darauf, dass man hat, was sich nicht angreifen lässt. Fünf Gefahren hat der Feldherr. Zum Sterben entschlossen, kann er getötet werden. Zum Leben entschlossen, kann er gefangen werden. Jäh im Zorn, kann er gereizt werden. Empfindlich in seiner Ehre, kann er beschämt werden. Liebt er das Volk, kann er mit Alarmen zermürbt werden. Diese fünf sind die Verfehlungen des Feldherrn, das Unheil im Gebrauch der Waffen. Der Untergang des Heeres und der Tod des Feldherrn kommen stets aus diesen fünf Gefahren. Sie dürfen nicht ungeprüft bleiben.
是故智者之慮,必雜於利害,雜於利而務可信也,雜於害而患可解也。是故屈諸侯者以害,役諸侯者以業,趨諸侯者以利。故用兵之法,無恃其不來,恃吾有以待之;無恃其不攻,恃吾有所不可攻也。故將有五危,必死可殺,必生可虜,忿速可侮,廉潔可辱,愛民可煩。凡此五者,將之過也,用兵之災也。覆軍殺將,必以五危,不可不察也。
9.1 Meister Sun sprach: Vom Lagern des Heeres und vom Lesen des Feindes: Überschreitet man Gebirge, halte man sich an die Täler; man lagere auf der Höhe, dem Offenen und dem Licht zugewandt; kämpft der Feind von oben, steige man nicht hinauf. So lagert ein Heer im Gebirge. Hat man einen Fluss überschritten, muss man Abstand vom Wasser gewinnen. Überschreitet der Eindringling einen Fluss und kommt heran, trete man ihm nicht im Strom entgegen; man lasse die Hälfte herüber und schlage dann zu — das ist der Gewinn. Wer kämpfen will, empfange den Eindringling nicht dicht am Wasser; man nehme hohen Stand, dem Licht zugewandt, und stelle sich nicht gegen die Strömung. So lagert ein Heer am Wasser. Salzmoore durchquere man rasch: gehen, nicht verweilen. Treffen die Heere mitten im Salzmoor aufeinander, halte man sich an das Wassergras und habe die dichten Bäume im Rücken. So lagert ein Heer im Salzmoor. In der Ebene nehme man offenen Stand, die Höhen zur Rechten und im Rücken, den sterbenden Boden vorn und den lebenden hinten. So lagert ein Heer in der Ebene.
孫子曰:凡處軍相敵,絕山依穀,視生處高,戰隆無登,此處山之軍也。絕水必遠水,客絕水而來,勿迎之於水內,令半渡而擊之利,欲戰者,無附於水而迎客,視生處高,無迎水流,此處水上之軍也。絕斥澤,唯亟去無留,若交軍於斥澤之中,必依水草而背眾樹,此處斥澤之軍也。平陸處易,右背高,前死後生,此處平陸之軍也。
9.2 Diese vier Vorteile des Heeres sind es, durch die
der Gelbe Kaiser die vier Kaiser besiegte. Ein Heer liebt die Höhe und hasst die Tiefe; es schätzt das Licht und verachtet das Dunkel; es nährt das Leben und lagert auf dem Festen; und ein Heer ohne die hundert Krankheiten — das heißt: des Sieges gewiss. An Hügeln und Anhöhen, Dämmen und Deichen stehe man auf der Sonnenseite, den Hang zur Rechten und im Rücken. Das ist der Vorteil des Heeres, die Hilfe des Bodens. Regnet es stromaufwärts und kommt die Flut herab, so warte, wer durchwaten will, bis sie sich gelegt hat. Wo der Boden steile Klammen hat, Himmelsbrunnen, Himmelskerker, Himmelsnetze, Himmelsgruben, Himmelsspalten, da gehe man eilends fort und nähere sich nicht. Ich halte mich fern davon; der Feind sei nahe daran. Ich habe sie vor mir; der Feind habe sie im Rücken. Führt der Weg des Heeres an Engpässen vorbei, an stehenden Wassern, Schilf und Röhricht, Niederwald und dichtem Gestrüpp, so durchsuche man sie sorgfältig und immer wieder — dort sitzen Hinterhalt und Verrat.
凡此四軍之利,黃帝之所以勝四帝也。凡軍好高而惡下,貴陽而賤陰,養生而處實,軍無百疾,是謂必勝。丘陵堤防,必處其陽而右背之,此兵之利,地之助也。上雨水流至,欲涉者,待其定也。凡地有絕澗、天井、天牢、天羅、天陷、天隙,必亟去之,勿近也。吾遠之,敵近之;吾迎之,敵背之。軍旁有險阻、潢井、蒹葭、小林、蘙薈者,必謹覆索之,此伏姦之所處也。
9.3 Ist der Feind nah und bleibt still, so vertraut er seiner festen Stellung. Ist er fern und bietet die Schlacht an, so will er, dass man vorrückt. Lagert er auf ebenem Boden, so hat er seinen Vorteil darin. Regen sich die dichten Bäume, so kommt er. Sind im hohen Gras viele Schirme, so will er Zweifel säen. Fliegen die Vögel auf: ein Hinterhalt. Schrecken die Tiere: ein Überfall. Steigt der Staub hoch und spitz: Wagen kommen. Niedrig und breit: Fußvolk kommt. Verstreut in Fäden: Sie sammeln Brennholz. Spärlich, im Kommen und Gehen: Sie schlagen das Lager auf. Sind seine Worte demütig und wachsen seine Rüstungen: Er wird vorrücken. Sind seine Worte stark und treibt er vorwärts: Er wird weichen. Fahren die leichten Wagen zuerst heraus und stellen sich an die Flanken: Er ordnet die Schlachtreihe. Bittet er ohne Abrede um Frieden: Er schmiedet einen Plan. Ist Laufen und Rennen und treten die Soldaten in die Reihen: Die Stunde ist gesetzt. Rückt die Hälfte vor und weicht die Hälfte: Er lockt. Stützen sie sich auf die Waffen, um zu stehen: Sie hungern. Trinken die Wasserholer zuerst: Sie dürsten. Liegt der Gewinn vor Augen und keiner rückt vor: Sie sind erschöpft. Wo die Vögel sich sammeln, ist es leer. Ruft man in der Nacht: Sie fürchten sich. Ist das Lager in Aufruhr: Der Feldherr hat kein Gewicht. Wandern Banner und Fahnen: Unordnung. Wüten die Offiziere: Die Männer sind müde. Töten sie die Pferde und essen das Fleisch: Das Heer ist ohne Getreide. Hängen sie die Kochtöpfe auf und kehren nicht in die Quartiere zurück: Sie sind ein Feind in der Enge. Spricht der Feldherr leise, langsam, gewinnend zu seinen Leuten: Er hat die Masse verloren. Belohnung auf Belohnung: Er ist in der Klemme. Strafe auf Strafe: Er ist in Bedrängnis. Erst brutal sein und dann die eigenen Leute fürchten: Das ist der Gipfel des Unverstands. Kommen Boten mit sanften Worten: Er will eine Atempause.
敵近而靜者,恃其險也;遠而挑戰者,欲人之進也;其所居易者,利也;眾樹動者,來也;眾草多障者,疑也;鳥起者,伏也;獸駭者,覆也;塵高而銳者,車來也;卑而廣者,徒來也;散而條達者,樵採也;少而往來者,營軍也;辭卑而備者,進也;辭強而進驅者,退也;輕車先出居其側者,陳也;無約而請和者,謀也;奔走而陳兵者,期也;半進半退者,誘也;杖而立者,饑也;汲而先飲者,渴也;見利而不進者,勞也;鳥集者,虛也;夜呼者,恐也;軍擾者,將不重也;旌旗動者,亂也;吏怒者,倦也;殺馬肉食者,軍無糧也;懸甀不返其舍者,窮寇也;諄諄翕翕,徐與人言者,失眾也;數賞者,窘也;數罰者,困也;先暴而後畏其眾者,不精之至也;來委謝者,欲休息也。
9.4 Kommen seine Truppen zornig heran und stehen den eigenen gegenüber, und lange schließen sie die Schlacht nicht und ziehen auch nicht ab, so beobachte man ihn mit größter Sorgfalt. Im Krieg sind es nicht die Zahlen, die den Wert ausmachen. Man rücke nur nicht auf bloße Kühnheit vor; es genügt, die Kraft zu sammeln, den Feind zu ermessen und den Mann zu nehmen — mehr nicht. Nur wer ohne Überlegung den Feind gering achtet, wird gewiss von ihm gefangen. Straft man die Truppen, ehe sie einem zugetan sind, so fügen sie sich nicht; unfügsam sind sie schwer zu gebrauchen. Sind die Truppen aber zugetan, und die Strafen werden nicht vollzogen, so sind sie gar nicht zu gebrauchen. So verbinde man sie durch das Zivile und richte sie aus durch das Kriegerische: Das heißt: des Nehmens gewiss. Werden die Befehle im Unterweisen des Volkes beständig vollzogen, so fügt sich das Volk; werden die Befehle im Unterweisen nie vollzogen, so fügt sich das Volk nicht. Wessen Befehle beständig vollzogen werden, der steht mit der Masse im Einvernehmen, und sie mit ihm.
兵怒而相迎,久而不合,又不相去,必謹察之。兵非貴益多也,惟無武進,足以並力料敵取人而已。夫惟無慮而易敵者,必擒於人。卒未親而罰之,則不服,不服則難用。卒已親附而罰不行,則不可用。故合之以文,齊之以武,是謂必取。令素行以教其民,則民服;令素不行以教其民,則民不服。令素行者,與眾相得也。
10.1 Meister Sun sprach: Von den Gestalten des Geländes: Es gibt das offene, das verstrickende, das stockende, das enge, das schroffe, das ferne. Wo ich hinüber kann und er herüber kann, das heißt offen. Auf offener Gestalt besetze man zuerst die Höhe und die Sonnenseite und sichere die Getreidewege; dann ist die Schlacht zum eigenen Gewinn. Wo man hinein kann und schwer zurück, das heißt verstrickend. Auf verstrickender Gestalt: Ist der Feind ungerüstet, gehe man hinaus und besiege ihn; ist der Feind aber gerüstet und der Ausfall siegt nicht, so ist die Rückkehr schwer, und es ist kein Gewinn. Wo mein Ausgehen verliert und sein Ausgehen verliert, das heißt stockend. Auf stockender Gestalt gehe ich nicht hinaus, auch wenn der Feind mir einen Gewinn hinhängt: Ich ziehe ab und führe ihn nach, und ist die Hälfte der Seinen heraus, schlage ich zu — das ist der Gewinn. Auf enger Gestalt: Besetze ich sie zuerst, so muss ich sie füllen und den Feind erwarten. Hat der Feind sie zuerst besetzt und gefüllt, folge man ihm nicht hinein; hat er sie nicht gefüllt, folge man. Auf schroffer Gestalt: Besetze ich sie zuerst, so muss ich die Höhe und die Sonnenseite halten und den Feind erwarten; hat der Feind sie zuerst besetzt, ziehe ich ab und gehe — ich folge nicht. Auf ferner Gestalt: Ist das Gewicht beider Seiten gleich, ist es schwer, die Schlacht herauszufordern, und der erzwungene Kampf bringt keinen Gewinn.
孫子曰:地形有通者、有掛者、有支者、有隘者、有險者、有遠者。我可以往,彼可以來,曰通。通形者,先居高陽,利糧道,以戰則利。可以往,難以返,曰掛。掛形者,敵無備,出而勝之,敵若有備,出而不勝,難以返,不利。我出而不利,彼出而不利,曰支。支形者,敵雖利我,我無出也,引而去之,令敵半出而擊之利。隘形者,我先居之,必盈之以待敵。若敵先居之,盈而勿從,不盈而從之。險形者,我先居之,必居高陽以待敵;若敵先居之,引而去之,勿從也。遠形者,勢均難以挑戰,戰而不利。
10.2 Diese sechs sind der Weg des Bodens. Sie sind des Feldherrn äußerste Pflicht; sie dürfen nicht ungeprüft bleiben. So kennt auch ein Heer die Flucht; das Erschlaffen; das Versinken; den Zusammenbruch; die Unordnung; die Niederlage. Diese sechs kommen aus keinem Unheil von Himmel und Boden; sie sind die Verfehlung des Feldherrn. Ist das Gewicht beider Seiten gleich und man schickt einen gegen zehn zum Schlag: Flucht. Sind die Truppen stark und die Offiziere schwach: Erschlaffen. Sind die Offiziere stark und die Truppen schwach: Versinken. Zürnen die hohen Offiziere und gehorchen nicht — treffen sie auf den Feind, so fechten sie ihren eigenen Groll aus, und der Feldherr kennt ihr Können nicht: Zusammenbruch. Ist der Feldherr schwach und ohne Strenge, sein Unterweisen und Führen unklar, sind Offiziere und Mannschaft ohne Beständigkeit und die Reihen kreuz und quer gestellt: Unordnung. Kann der Feldherr den Feind nicht ermessen, lässt wenige auf viele treffen, schlägt mit Schwachen die Starken, und das Heer hat keine erlesene Spitze: Niederlage.
凡此六者,地之道也,將之至任,不可不察也。凡兵有走者、有馳者、有陷者、有崩者、有亂者、有北者。凡此六者,非天地之災,將之過也。夫勢均,以一擊十,曰走;卒強吏弱,曰馳;吏強卒弱,曰陷;大吏怒而不服,遇敵懟而自戰,將不知其能,曰崩;將弱不嚴,教道不明,吏卒無常,陳兵縱橫,曰亂;將不能料敵,以少合眾,以弱擊強,兵無選鋒,曰北。
10.3 Diese sechs sind der Weg der Niederlage. Sie sind des Feldherrn äußerste Pflicht; sie dürfen nicht ungeprüft bleiben. Die Gestalt des Bodens ist des Heeres Helfer. Den Feind zu ermessen und den Sieg zu lenken, das Schroffe und Enge, das Ferne und Nahe zu berechnen — das ist der Weg des überlegenen Feldherrn. Wer dies kennt und im Kampf gebraucht, siegt gewiss; wer es nicht kennt und kämpft, unterliegt gewiss. Sagt darum der Weg der Schlacht: gewisser Sieg, so kämpfe man — auch wenn der Herrscher sagt: kein Kampf. Sagt der Weg der Schlacht: kein Sieg, so kämpfe man nicht — auch wenn der Herrscher sagt: Es muss gekämpft werden. Der Feldherr also, der vorrückt, ohne Ruhm zu suchen, und zurückweicht, ohne der Schuld auszuweichen, dem es allein darum geht, das Volk zu bewahren und dem Herrscher zu nützen — der ist der Schatz des Staates. Wer die Truppen ansieht wie seine Säuglinge, mit dem steigen sie in die tiefste Schlucht; wer die Truppen ansieht wie geliebte Söhne, mit dem gehen sie in den Tod. Ist man aber großzügig und kann sie nicht einsetzen, liebevoll und kann ihnen nicht befehlen, in der Unordnung und kann sie nicht regieren — dann sind sie verzogene Kinder und zu nichts zu gebrauchen.
凡此六者,敗之道也,將之至任,不可不察也。夫地形者,兵之助也。料敵制勝,計險隘遠近,上將之道也。知此而用戰者必勝,不知此而用戰者必敗。故戰道必勝,主曰無戰,必戰可也;戰道不勝,主曰必戰,無戰可也。故進不求名,退不避罪,唯民是保,而利於主,國之寶也。視卒如嬰兒,故可以與之赴深溪;視卒如愛子,故可與之俱死。厚而不能使,愛而不能令,亂而不能治,譬若驕子,不可用也。
10.4 Zu wissen, dass die eigenen Truppen zuschlagen können, und nicht zu wissen, dass der Feind nicht zu schlagen ist, ist der halbe Sieg. Zu wissen, dass der Feind zu schlagen ist, und nicht zu wissen, dass die eigenen Truppen nicht zuschlagen können, ist der halbe Sieg. Zu wissen, dass der Feind zu schlagen ist, und zu wissen, dass die eigenen Truppen zuschlagen können, und nicht zu wissen, dass die Gestalt des Bodens den Kampf verbietet, ist der halbe Sieg. Wer den Krieg kennt, bewegt sich darum und irrt nicht, bricht auf und ist nie ratlos. Darum heißt es: Wer den anderen kennt und sich selbst kennt, dessen Sieg steht außer Gefahr; wer den Himmel kennt und den Boden kennt, dessen Sieg kann ganz sein.
知吾卒之可以擊,而不知敵之不可擊,勝之半也;知敵之可擊,而不知吾卒之不可以擊,勝之半也;知敵之可擊,知吾卒之可以擊,而不知地形之不可以戰,勝之半也。故知兵者,動而不迷,舉而不窮。故曰:知彼知己,勝乃不殆;知天知地,勝乃可全。
11.1 Meister Sun sprach: Nach der Regel im Gebrauch der Waffen gibt es zerstreuenden Boden, leichten Boden, umkämpften Boden, offenen Boden, Kreuzwegboden, schweren Boden, unwegsamen Boden, umschlossenen Boden, tödlichen Boden. Wo die Fürsten auf eigenem Grund kämpfen, das ist zerstreuender Boden. Wo man in fremdes Land eindringt, doch nicht tief, das ist leichter Boden. Was mir Gewinn ist, wenn ich es nehme, und ihm Gewinn, wenn er es nimmt, das ist umkämpfter Boden. Wo ich hinüber kann und er herüber kann, das ist offener Boden. Wo das Land dreier Fürsten zusammenstößt und wer zuerst kommt, die Masse von allem unter dem Himmel gewinnt, das ist Kreuzwegboden. Wo man tief in fremdes Land eindringt, viele seiner befestigten Städte im Rücken, das ist schwerer Boden. Bergwald, Engpass und Schlucht, Moor und Sumpf — jeder Weg, der schwer zu gehen ist —, das ist unwegsamer Boden. Wo der Zugang eng ist und der Rückweg gewunden und er mit wenigen meine vielen schlagen kann, das ist umschlossener Boden. Wo rasches Kämpfen erhält und zögerndes Kämpfen vernichtet, das ist tödlicher Boden.
孫子曰:用兵之法,有散地,有輕地,有爭地,有交地,有衢地,有重地,有泛地,有圍地,有死地。諸侯自戰其地者,為散地;入人之地不深者,為輕地;我得亦利,彼得亦利者,為爭地;我可以往,彼可以來者,為交地;諸侯之地三屬,先至而得天下眾者,為衢地;入人之地深,背城邑多者,為重地;山林、險阻、沮澤,凡難行之道者,為泛地;所由入者隘,所從歸者迂,彼寡可以擊吾之眾者,為圍地;疾戰則存,不疾戰則亡者,為死地。
11.2 Darum: Auf zerstreuendem Boden kämpfe man nicht; auf leichtem Boden halte man nicht; auf umkämpftem Boden greife man nicht an; auf offenem Boden lasse man sich nicht zerschneiden; auf Kreuzwegboden schließe man die Bündnisse; auf schwerem Boden plündere man; auf unwegsamem Boden marschiere man; auf umschlossenem Boden ersinne man Pläne; auf tödlichem Boden kämpfe man. Die man von alters her gut im Gebrauch der Waffen nannte, vermochten es, dass beim Feind Vorhut und Nachhut einander nicht erreichten, viele und wenige sich nicht aufeinander stützten, Vornehm und Gering einander nicht retteten, Oben und Unten einander nicht auffingen; dass seine Truppen, einmal getrennt, sich nicht sammelten und sein Heer, auch versammelt, sich nicht ordnete. Sie bewegten sich, wenn es ihrem Gewinn entsprach, und hielten inne, wenn nicht. Man frage: Ein feindliches Heer, zahlreich und geordnet, ist im Anmarsch — wie erwarte ich es? Ich sage: Man nehme ihm zuerst, was er liebt, und er wird hören.
是故散地則無戰,輕地則無止,爭地則無攻,交地則無絕,衢地則合交,重地則掠,泛地則行,圍地則謀,死地則戰。古之善用兵者,能使敵人前後不相及,眾寡不相恃,貴賤不相救,上下不相收,卒離而不集,兵合而不齊。合於利而動,不合於利而止。敢問敵眾而整將來,待之若何曰:先奪其所愛則聽矣。
11.3 Das Wesen des Krieges ist die Schnelligkeit vor allem: Man nutze, was der andere nicht erreicht; man gehe Wege, die er nicht bedacht hat; man schlage zu, wo er nicht auf der Hut ist. Der Weg des Eindringlings: Tief hinein, und man hält zusammen, und die Verteidiger kommen nicht auf. Plündert man die fetten Felder, so haben die drei Heere Nahrung genug. Man pflege sie sorgsam und mühe sie nicht ab; man schließe den Geist zusammen und speichere die Kraft; man bewege die Truppen nach Rechnung und List und sei nicht zu ergründen. Man werfe sie dorthin, wo es keinen Ausweg gibt, und sie sterben eher, als dass sie flöhen. Sind sie zum Sterben bereit — was wäre da nicht zu erlangen? Offiziere und Mannschaft geben ihre ganze Kraft. Tief in der Gefahr versunken, fürchten die Soldaten sich nicht; wo kein Ausweg ist, stehen sie fest; tief drinnen halten sie zusammen; wo nichts anderes bleibt, kämpfen sie. Darum sind solche Truppen wachsam ohne Drill, willig ohne Forderung, zugetan ohne Abrede, verlässlich ohne Befehl. Man verbiete die Vorzeichen und vertreibe den Zweifel, und sie gehen bis in den Tod und wenden sich nicht ab. Meine Männer haben keinen Besitz übrig — nicht weil sie die Güter hassten; kein Leben übrig — nicht weil sie das Alter hassten. Am Tag, da der Befehl ausgeht, netzen die Tränen den Sitzenden den Kragen und laufen den Liegenden übers Kinn. Doch werfe man sie dorthin, wo es keinen Ausweg gibt, und ihrer ist der Mut eines
Zhuan Zhu und eines
Cao Gui.
兵之情主速,乘人之不及。由不虞之道,攻其所不戒也。凡為客之道,深入則專。主人不克,掠於饒野,三軍足食。謹養而勿勞,並氣積力,運兵計謀,為不可測。投之無所往,死且不北。死焉不得,士人盡力。兵士甚陷則不懼,無所往則固,深入則拘,不得已則鬥。是故其兵不修而戒,不求而得,不約而親,不令而信,禁祥去疑,至死無所之。吾士無餘財,非惡貨也;無餘命,非惡壽也。令發之日,士卒坐者涕沾襟,偃臥者涕交頤,投之無所往,
諸、劌之勇也。
11.4 Wer die Waffen gut gebraucht, gleicht darum der Shuairan. Die Shuairan ist die Schlange vom
Berg Heng: Schlägt man ihren Kopf, so kommt der Schwanz; schlägt man ihren Schwanz, so kommt der Kopf; schlägt man ihre Mitte, so kommen Kopf und Schwanz zugleich. Man frage: Kann ein Heer der Shuairan gleichgemacht werden? Ich sage: Es kann. Die Männer von
Wu und die Männer von Yue hassen einander; aber setzen sie im selben Boot über und packt sie der Sturm, so retten sie einander wie die rechte Hand die linke. Darum: Die Pferde anzubinden und die Räder einzugraben ist noch nichts, worauf Verlass wäre. Allen Mut zu einem einzigen zu ebnen — das ist der Weg der Führung. Das Harte wie das Weiche ganz zu gewinnen — das ist das Gesetz des Bodens. So führt, wer die Waffen gut gebraucht, das Heer an der Hand wie einen einzigen Mann — weil ihm nichts anderes bleibt.
故善用兵者,譬如率然。率然者,常山之蛇也。擊其首則尾至,擊其尾則首至,擊其中則首尾俱至。敢問兵可使如率然乎?曰可。夫吳人與越人相惡也,當其同舟而濟而遇風,其相救也如左右手。是故方馬埋輪,未足恃也;齊勇如一,政之道也;剛柔皆得,地之理也。故善用兵者,攜手若使一人,不得已也。
11.5 Es ist die Sache des Feldherrn, still zu sein und undurchdringlich tief; gerade, und so zu ordnen. Er vermag Ohren und Augen seiner Offiziere und Mannschaft zu täuschen, sodass sie nichts wissen; er ändert seine Anordnungen und wechselt seine Pläne, sodass niemand sie wiedererkennt; er verlegt sein Lager und macht seinen Weg krumm, sodass niemand die Sache zu Ende denken kann. Der Führer setzt die Frist wie einer, der hoch hinaufsteigt und die Leiter hinter sich wegstößt. Der Führer dringt tief in das Land der Fürsten und löst den Abzug. Wie einer, der eine Herde Schafe treibt: Er treibt sie hin, er treibt sie her, und keines weiß, wohin es geht. Die Masse der drei Heere zu sammeln und in die Gefahr zu werfen — das ist die Sache, die des Feldherrn heißt. Die Wandlungen der neun Böden, der Gewinn im Beugen und im Strecken, die Gesetze im Wesen der Menschen — sie dürfen nicht ungeprüft bleiben.
將軍之事,靜以幽,正以治,能愚士卒之耳目,使之無知;易其事,革其謀,使人無識;易其居,迂其途,使民不得慮。帥與之期,如登高而去其梯;帥與之深入諸侯之地,而發其機。若驅群羊,驅而往,驅而來,莫知所之。聚三軍之眾,投之於險,此謂將軍之事也。九地之變,屈伸之力,人情之理,不可不察也。
11.6 Der Weg des Eindringlings: Tief, und sie halten zusammen; flach, und sie zerstreuen sich. Den Staat verlassen, die Grenze überschreiten und mit dem Heer ausziehen — das ist abgeschnittener Boden. Nach allen vier Seiten offen — das ist Kreuzwegboden. Tief hinein — schwerer Boden. Flach hinein — leichter Boden. Festungen im Rücken und Engen davor — umschlossener Boden. Kein Ausweg — tödlicher Boden. Darum: Auf zerstreuendem Boden werde ich ihren Willen einen; auf leichtem Boden werde ich sie verbunden halten; auf umkämpftem Boden werde ich meine Nachhut antreiben; auf offenem Boden werde ich sorgsam über meine Verteidigung wachen; auf Kreuzwegboden werde ich meine Verbindungen festmachen; auf schwerem Boden werde ich den Nachschub an Nahrung sichern; auf unwegsamem Boden werde ich auf dem Weg vorandrängen; auf umschlossenem Boden werde ich die Lücke selbst schließen; auf tödlichem Boden werde ich ihnen zeigen, dass es kein Überleben gibt.
凡為客之道,深則專,淺則散。去國越境而師者,絕地也;四徹者,衢地也;入深者,重地也;入淺者,輕地也;背固前隘者,圍地也;無所往者,死地也。是故散地吾將一其志,輕地吾將使之屬,爭地吾將趨其後,交地吾將謹其守,交地吾將固其結,衢地吾將謹其恃,重地吾將繼其食,泛地吾將進其途,圍地吾將塞其闕,死地吾將示之以不活。
11.7 So ist das Wesen der Truppen: Umzingelt wehren sie ab; wo nichts anderes bleibt, kämpfen sie; in der äußersten Not gehorchen sie. Darum: Wer die Pläne der Fürsten nicht kennt, kann nicht im Voraus Bündnisse schließen; wer die Gestalt der Berge und Wälder, der Engpässe und Schluchten, der Moore und Sümpfe nicht kennt, kann kein Heer marschieren lassen; wer keine ortskundigen Führer nimmt, kann die Vorteile des Bodens nicht gewinnen. Wer von diesen auch nur eines nicht kennt, hat nicht das Heer eines Hegemonkönigs. Greift das Heer eines Hegemonkönigs einen großen Staat an, so kann dessen Masse sich nicht sammeln; fällt sein Gewicht auf den Feind, so können dessen Bündnisse sich nicht schließen. Darum streitet er nicht um die Bündnisse von allem unter dem Himmel und nährt nicht die Mächte von allem unter dem Himmel; er vertraut dem, was sein eigen ist, und sein Gewicht fällt auf den Feind — so lassen sich seine Städte nehmen und sein Staat niederreißen. Man gebe Belohnungen über das Gesetz hinaus und hänge Befehle aus über die Ordnung hinaus — und man handhabt die Masse der drei Heere, als handhabte man einen einzigen Mann. Man setze sie an die Sache selbst; man rede nicht davon. Man setze sie der Gefahr entgegen; man rede nicht vom Gewinn. Man werfe sie auf den Boden des Untergangs, und dann bestehen sie; man stürze sie in tödlichen Boden, und dann leben sie.
故兵之情:圍則禦,不得已則鬥,過則從。是故不知諸侯之謀者,不能預交;不知山林、險阻、沮澤之形者,不能行軍;不用鄉導,不能得地利。四五者,一不知,非霸王之兵也。夫霸王之兵,伐大國,則其眾不得聚;威加於敵,則其交不得合。是故不爭天下之交,不養天下之權,信己之私,威加於敵,則其城可拔,其國可隳。施無法之賞,懸無政之令。犯三軍之眾,若使一人。犯之以事,勿告以言;犯之以害,勿告以利。投之亡地然後存,陷之死地然後生。
11.8 Denn erst wenn die Masse in den Schaden versenkt ist, vermag sie aus der Niederlage den Sieg zu machen. So liegt die Sache des Krieges darin, sich der Absicht des Feindes scheinbar zu fügen: Man sammle sich gegen ihn auf eine einzige Richtung, und man tötet seinen Feldherrn auf tausend Li — das heißt: durch Geschick die Sache vollbringen. Darum: Am Tag, da der Feldzug beschlossen wird, schließe man die Pässe und zerbreche die Kerbhölzer und lasse seine Gesandten nicht mehr hindurch; man werde hart im Rat des Tempels, dass die Sache zur Rechenschaft stehe. Öffnet der Feind ein Tor, so muss man eilends hinein. Man nehme zuerst, was er liebt, und richte sich im Stillen nach seiner Stunde; man gehe der gezogenen Tuschlinie nach und folge dem Feind, bis die Schlacht entschieden ist. Darum: anfangs wie eine Jungfrau, bis der Feind die Tür öffnet; danach wie der entsprungene Hase, zu schnell, als dass der Feind widerstehen könnte.
夫眾陷於害,然後能為勝敗。故為兵之事,在順詳敵之意,並敵一向,千里殺將,是謂巧能成事。是故政舉之日,夷關折符,無通其使,厲於廊廟之上,以誅其事。敵人開闔,必亟入之,先其所愛,微與之期,踐墨隨敵,以決戰事。是故始如處女,敵人開戶;後如脫兔,敵不及拒。
12.1 Meister Sun sprach: Der Angriffe mit Feuer sind fünf. Der erste verbrennt Menschen; der zweite verbrennt Vorräte; der dritte verbrennt den Tross; der vierte verbrennt die Zeughäuser; der fünfte verbrennt seine Kolonnen. Um Feuer zu legen, braucht es Mittel, und die Mittel müssen vorher bereit sein. Es gibt eine Zeit, Feuer zu legen, und es gibt Tage, es zu entfachen. Die Zeit ist, wenn der Himmel trocken ist. Die Tage sind, wenn der Mond in der Worfschwinge steht, in der Mauer, in den Flügeln oder im Wagenbrett; diese vier Häuser sind die Tage, an denen der Wind sich erhebt. Bei jedem Angriff mit Feuer antworte man den fünf Wandlungen des Feuers. Bricht das Feuer drinnen aus, so antworte man sogleich von draußen. Bricht das Feuer aus und seine Truppen bleiben still, so warte man und greife nicht an; man lasse die Glut auf ihre Höhe kommen und folge ihr, wenn man folgen kann, und halte ein, wenn nicht. Lässt sich das Feuer von außen legen, so warte man nicht auf eine Hand drinnen; man lege es, wenn die Stunde dient. Ist das Feuer im Aufwind gelegt, greife man nicht aus dem Abwind an. Ein Wind, der den ganzen Tag weht, legt sich bei Nacht.
孫子曰:凡火攻有五:一曰火人,二曰火積,三曰火輜,四曰火庫,五曰火隊。行火必有因,因必素具。發火有時,起火有日。時者,天之燥也。日者,月在箕、壁、翼、軫也。凡此四宿者,風起之日也。凡火攻,必因五火之變而應之:火發於內,則早應之於外;火發而其兵靜者,待而勿攻,極其火力,可從而從之,不可從則上。火可發於外,無待於內,以時發之,火發上風,無攻下風,晝風久,夜風止。
12.2 Jedes Heer muss die fünf Wandlungen des Feuers kennen und nach dem Stand der Tage über sie wachen. Wer den Angriff mit Feuer unterstützt, ist darum hellsichtig; wer den Angriff mit Wasser unterstützt, ist stark. Wasser kann abschneiden; nehmen kann es nicht. Die Schlachten zu gewinnen und das Erstrittene zu nehmen, ohne das Vollbrachte zu festigen, ist Unheil; sein Name ist „zehrender Verzug“. Darum heißt es: Der erleuchtete Herrscher bedenkt es, der gute Feldherr pflegt es. Wo kein Gewinn ist, bewege man sich nicht; wo nichts zu nehmen ist, setze man das Heer nicht ein; wo keine Gefahr ist, kämpfe man nicht. Ein Herrscher darf nicht aus Zorn ein Heer aufstellen; ein Feldherr darf nicht aus Groll eine Schlacht schlagen. Man bewege sich, wenn es dem Gewinn entspricht, und halte inne, wenn nicht. Zorn kann wieder zu Freude werden und Groll wieder zu Frohsinn; aber ein vernichteter Staat kann nicht wieder erstehen, und die Toten können nicht wieder leben.
凡軍必知五火之變,以數守之。故以火佐攻者明,以水佐攻者強。水可以絕,不可以奪。夫戰勝攻取而不惰其功者凶,命曰“費留”。故曰:明主慮之,良將惰之,非利不動,非得不用,非危不戰。主不可以怒而興師,將不可以慍而攻戰。合於利而動,不合於利而上。怒可以複喜,慍可以複說,亡國不可以複存,死者不可以複生。
12.3 So ist der erleuchtete Herrscher behutsam darin, und der gute Feldherr ist auf der Hut. Das ist der Weg, der den Staat in Frieden und das Heer unversehrt erhält.
故明主慎之,良將警之。此安國全軍之道也。
13.1 Meister Sun sprach: Hebt man ein Heer von hunderttausend aus und führt es tausend Li ins Feld, so laufen die Ausgaben der hundert Geschlechter und die Aufwendungen des öffentlichen Hauses auf tausend Goldstücke am Tag; drinnen und draußen ist Unruhe; erschöpft liegen die Männer an den Straßen; und siebenhunderttausend Haushalte können ihrer Arbeit nicht nachgehen. Jahrelang hält man einander stand, um den Sieg eines einzigen Tages zu erstreiten. Dann aber mit Rang, Sold und hundert Goldstücken zu geizen und darum die Lage des Feindes nicht zu kennen — das ist der Gipfel der Unmenschlichkeit. Ein solcher ist kein Feldherr des Volkes, keine Hilfe seinem Herrscher, kein Herr des Sieges. Was also den erleuchteten Herrscher und den würdigen Feldherrn sich bewegen und siegen lässt und vollbringen, was die Menge nicht vermag, ist das Vorauswissen. Und Vorauswissen ist nicht von Geistern und Dämonen zu holen, nicht an den Dingen abzulesen, nicht am Maß zu erproben: Von Menschen muss man es holen — von denen, die die Lage des Feindes kennen.
孫子曰:凡興師十萬,出征千里,百姓之費,公家之奉,日費千金,內外騷動,怠於道路,不得操事者,七十萬家。相守數年,以爭一日之勝,而愛爵祿百金,不知敵之情者,不仁之至也,非民之將也,非主之佐也,非勝之主也。故明君賢將所以動而勝人,成功出於眾者,先知也。先知者,不可取於鬼神,不可象於事,不可驗於度,必取於人,知敵之情者也。
13.2 Der Spione gibt es fünferlei Gebrauch: Es gibt den einheimischen Spion, den inneren Spion, den umgedrehten Spion, den toten Spion, den lebenden Spion. Sind die fünf Spione zugleich am Werk und niemand kennt ihre Wege, so heißt das das göttliche Gespinst, und es ist des Herrschers Schatz. Der einheimische Spion: Man gebraucht Leute aus dem Land des Feindes. Der innere Spion: Man gebraucht seine Beamten. Der umgedrehte Spion: Man gebraucht die Spione des Feindes. Der tote Spion: Für ihn richtet man draußen ein falsches Spiel an, lässt die eigenen Spione davon erfahren und es den Spionen des Feindes zutragen. Der lebende Spion: Er kommt zurück und berichtet. Darum: In den Geschäften der drei Heere ist kein Band enger als das zum Spion, keine Belohnung reicher als die des Spions, keine Sache geheimer als die des Spions. Ohne Weisheit kann man Spione nicht gebrauchen; ohne Menschlichkeit und Rechtssinn kann man sie nicht aussenden; ohne Feinheit und Spürsinn kann man von Spionen nicht die Wahrheit der Dinge gewinnen. Fein, fein! Es gibt nichts, wofür man Spione nicht gebraucht. Wird aber die Sache eines Spions ruchbar, ehe sie begonnen hat, so sterben der Spion und der, dem er sie erzählte, beide.
故用間有五:有因間,有內間,有反間,有死間,有生間。五間俱起,莫知其道,是謂神紀,人君之寶也。鄉間者,因其鄉人而用之;內間者,因其官人而用之;反間者,因其敵間而用之;死間者,為誑事於外,令吾聞知之而傳於敵間也;生間者,反報也。故三軍之事,莫親於間,賞莫厚於間,事莫密於間,非聖賢不能用間,非仁義不能使間,非微妙不能得間之實。微哉微哉!無所不用間也。間事未發而先聞者,間與所告者兼死。
13.3 Welches Heer man schlagen, welche Stadt man bestürmen, welchen Mann man töten will: Stets muss man zuerst die Namen kennen — des verteidigenden Feldherrn, der Vertrauten zu seiner Rechten und Linken, seiner Melder, seiner Torwächter, seiner Kammerleute; unsere Spione müssen angesetzt werden, sie auszuforschen und zu kennen. Die Spione des Feindes, die kommen, uns auszuspähen, suche man auf, locke sie mit Gewinn, führe sie beiseite und beherberge sie: So ist der umgedrehte Spion zu gewinnen und zu gebrauchen. Durch sein Wissen lassen sich der einheimische und der innere Spion gewinnen und aussenden; durch sein Wissen richtet der tote Spion sein falsches Spiel an und kann es dem Feind zutragen; durch sein Wissen lässt sich der lebende Spion zu seiner Stunde gebrauchen. Die Sache der fünf Spione muss der Herrscher kennen, und das Kennen ruht stets auf dem umgedrehten Spion: Den umgedrehten Spion kann man darum nicht reich genug halten. Vor alters: Der Aufstieg von
Yin kam durch
Yi Zhi, der in
Xia gedient hatte; der Aufstieg von
Zhou kam durch
Lü Ya, der in Yin gedient hatte.
凡軍之所欲擊,城之所欲攻,人之所欲殺,必先知其守將、左右、謁者、門者、舍人之姓名,令吾間必索知之。敵間之來間我者,因而利之,導而舍之,故反間可得而用也;因是而知之,故鄉間、內間可得而使也;因是而知之,故死間為誑事,可使告敵;因是而知之,故生間可使如期。五間之事,主必知之,知之必在於反間,故反間不可不厚也。昔殷之興也,伊摯在夏;周之興也,呂牙在殷。
13.4 Darum: Nur der erleuchtete Herrscher und der würdige Feldherr, die den höchsten Verstand zu ihren Spionen zu machen wissen, sind großer Taten gewiss. Das ist das Wesentliche im Krieg: Es ist das, worauf die drei Heere sich bei jeder Bewegung stützen.
故明君賢將,能以上智為間者,必成大功。此兵之要,三軍之所恃而動也。